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Für die Logistikbranche war 2022 kein einfaches Jahr: Versorgungsengpässe bei AdBlue, steigende Kraftstoffpreise, Fahrermangel, sind nur einige Themen, die die Branche umtrieben. Ein kleiner Rückblick.

Nach zwei von Corona-Einschränkungen beeinflussten Jahren hinterließ in 2022 der russische Überfall auf die Ukraine seine Spuren auch im Logistikbereich.

AdBlue – das rare Gut

Rapide steigende Gaspreise zwangen die Düngemittelindustrie, die als Nebenprodukt AdBlue herstellt, ihre Produktion zu drosseln. Ohne die Harnstofflösung fährt aber heute so gut wie kein Lkw mehr. Der AdBlue-Verbrauch der Diesel-Lkw auf deutschen Straßen liegt laut Bundesverband Gütertransport immerhin bei etwa fünf Millionen Liter pro Tag.

Einer der größten deutschen Produzenten von Stickstoffdünger und AdBlue – die SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Sachsen-Anhalt – stoppte seine AdBlue-Produktion vorübergehend komplett. Seit Anfang September laufen die Anlagen wieder. Doch das Thema Gaspreise und damit die Probleme bei der AdBlue-Versorgung sind noch längst nicht vom Tisch – auch wenn sich die Lage inzwischen entspannt hat.

Kraftstoffpreise

Zu kämpfen hatten die Logistikunternehmen auch mit den steigenden Kraftstoffkosten. Im Vergleich zu Oktober 2021 kostete Diesel im Durchschnitt im Oktober des laufenden Jahres fast 40 Prozent mehr. Der Tankrabatt wirkte sich zwar aus, aber beim im Vergleich zu Benzin niedriger besteuerten Dieselkraftstoff war die Kostenentlastung für die Speditionen nur abgeschwächt spürbar.

Transportbedarf unverändert hoch

Auf den Dieselabsatz hat der höhere Preis indes kaum einen Einfluss gehabt. Der Kraftstoffbedarf unterscheidet sich in Summe in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres kaum vom Vorjahr. Der einfache Grund: Der Bedarf an Straßentransporten ist unverändert hoch. Das zeigt sich sehr gut im Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, den das Bundesamt für Güterverkehr und das Statistische Bundesamt monatlich erheben. Der Index bewegt sich nach dem ersten Corona-Schock seit November 2020 mit leichten Schwankungen auf einem ähnlich hohen Niveau.

Engpass Fahrer

Umso stärker drückt die Branche der steigende Fahrermangel. Das wurde einmal mehr in der öffentlichen Anhörung des Verkehrsausschusses am 26. September 2022 thematisiert. Nach den Angaben des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung und des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer fehlen in Deutschland etwa 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Erschwert wird die Lage noch dadurch, dass ein Drittel der aktiven Fahrer älter ist als 55 Jahre und demzufolge bald in Rente geht.

Wandel bei Antrieben

Ungeachtet dieser Herausforderungen müssen die Logistik-Unternehmen in den kommenden Jahren erheblich in zukünftige Antriebe investieren. Hier kommen deutliche Kostensteigerungen auf die Branche zu. Die Schwierigkeit: Bisher ist nicht klar, auf welches Pferd man setzen soll: batteriegetriebene Fahrzeuge, Wasserstoff, Flüssig-Erdgas (LNG), E-Fuels, HVO?

Und negative Erfahrungen haben die Spediteure gerade erst wieder sammeln dürfen: Lockte die Bundesregierung noch vor wenigen Jahren Transport- und Speditionsunternehmen mit Förderungen zum Kauf von LNG-Lkw, können diese Fahrzeuge derzeit nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, weil der Preis für LNG in 2022 durch die Decke gegangen ist.

Man darf gespannt sein, was das Jahr 2023 für die Logistik-Branche bereithält. Auf jeden Fall harren noch einige wichtige Themen einer Lösung. Eine Atempause dürfte es dabei nicht geben.